Bequeme Stühle im Grünen

Der halbe Januar is durch, wir sind schon drüber, 18 Tage 2013 ausgesessen und nichts hat sich getan, nichts is passiert, weil ich darauf warte, dass was losgeht statt selber loszulegen, all die Vielleichts und unklaren Zeitpläne zotteln an meinen Nerven und dann denk ich immer, wie soll ich dabei ruhig bleiben, wenn es soviel zu tun gäbe, aber nichts losgehen kann, weil nichts klar is außer, dass alles anders wird und das demnächst, wann immer demnächst is: die Heimat verlassen, den sicheren Job aufgeben, die Familie verabschieden.

Nie hab ich bei einer anderen Firma gearbeitet. Mein Lebenslauf is so kurz und glatt – doch wirklich, er is sehr, sehr kurz – dass trotz Zeilenabstand- und Schriftgrößenausreizung noch Platz für ein paar Barney’sche Motivationssprüche zwischen den Zeilen bliebe.

Nie hab ich, seitdem ich selbst Mietverträge unterschreiben kann, woanders gelebt als hier in meinem entspannten Mecklenburg, wo jeder Bismarck und seine 50 Jahre zitatbereit im Anschlag führt, wenn zu schnell gerannt wird oder wer Trends hinterläuft.

Nie hab ich in einer dieser anonymen Großstädte gelebt, über die sie im Heimatkurier der Regionalzeitung warnend schreiben, nie hab ich mich die Alleen und Kaffs, durch die die Alleen führen und die leerstehenden Industrieanlagen und Seenplatte daneben, mein altbekanntes, mein altbewährtes, mein bequemes Leben tauschen wollen sehen.

Nie hab ich an München gedacht, meins war immer Berlin, gedacht jedenfalls, weil lauter und schmutziger und näher dran an meinem bequemen Leben, gut geeignet für die kleine Flucht zwischendurch vor der beschrankten („Achtung, Provinzübergang!“) Sichtweise, ein Wochenendtrip, bevors zurück in die grünflächige Idylle geht, ganz langsam natürlich, wir haben ja Zeit.

Nie hab ich gewusst, dass ich wollen würde und nun würd ich gern dem Konjunktiv eine vor den Latz knallen, den Zeitplänen dazu und loslegen, sonst erfahr ich ja nie, ob ich die grüne Tante Mecklenburg sofort vermissen werde oder erst in 50 Jahren.