Liebe in Zeiten des Terrors

Die Welt ist schlecht. Nie war sie so schlecht wie heute, zumindest, wenn man dem allgemeinen Tenor glauben darf. Wir räumen den Schreckensmeldungen unsere ganze Aufmerksamkeit ein und füttern sie, uns, bis uns schlecht ist. Die Welt ist es ja schon, dann darf es uns auch werden. Überall, wo man hinsieht: Tod, Terror, Hass. Und das Ganze im Liveticker, der Twitterstream überschlägt sich, die Panik ebenso.

Tagesschau, Spiegel Online, Twitter, Facebook – es wird berichtet und gemeint und dem Horror der größte Raum geschenkt und ich lese, höre, erfahre mehr und mehr, bleibe aber maximal verunsichert zurück, da Spekulation und Gerüchte das lauteste Rauschen sind und gesicherte Infos erst dann kommen, wenn der große Medienhype und das Interesse schon wieder vorbei ist, weil der nächste Schreckensschlag in den Trends ist.

Die Welt war früher auch schon schlecht, nur haben uns Meldungen nicht mit sekündlichen Updates erschreckt, sondern am nächsten Tag aus der Tageszeitung informiert und dann sachlich, oft schon mit Einordnung ins große Ganze, unaufgeregt.

Wieso geben wir Hass so viel Macht? Jeder potentielle Amokläufer sieht sich bestätigt durch den Medienhype und die erzeugte Angst. Jeder potentielle Menschenfeind wird sich freuen, für seinen Hass eine aus seiner Sicht „höhere Ebene“ gefunden zu haben, indem er sich dem IS zubekennt.

Ich möchte mehr Aufmerksamkeit auf das Positive. Ich möchte es für uns alle. Ich möchte eine Tagesschau, die 15 Minuten lang nur Gutes verrichtet, direkt in Anschluss an den Wetterbericht. Ich möchte eine Medienkultur, die die Sensationsgier nicht befriedigt, sondern uns vor uns selbst. Ich möchte an eine Welt glauben, die auch morgen noch genug Gutes zu bieten hat, um für neue Generation lebenswert zu sein. Ich möchte mehr Liebe als Gegengewicht zum medial übermächtigen Hass. Ich möchte, dass wir genug Mut haben, zu dieser Liebe zu stehen und sie zu zeigen – gerade heute, in dieser ach so schlechten Welt. Wenn Hass eine Botschaft ist, kann nur Liebe unsere Antwort sein.

Ich möchte Meldungen über Menschen, die Gutes tun. Und ich möchte sie nicht nur auf boredpanda.com finden, ich will sie in den Hauptnachrichten. Ich rede nicht von Katzenvideos –auch, wenn sie mir mitunter den Tag retten- nein, ich rede von Hoffnung. Ich rede von einer stärkeren Gewichtung des Positiven. Ich rede davon, dem Hass, dem Schrecken nicht den großen Platz zuzugestehen, wie es aktuell der Fall ist, weil ihn das nur noch größer macht.

Ich möchte, dass mehr lächelnde Gesichter zu sehen sind. Echte Freude. Glückliche Fügungen. Alltagshelden. Sonnenblumen. Gerettete Menschen. Lachende Menschen. Dankbare Menschen. Lebende Menschen. Liebende Menschen. Die gibt es jeden Tag. Und sie sind ein Gegengewicht zum medialen Katastrophenalarm, der ein Dauerzustand geworden ist.

Ich möchte den Hass nicht mehr. Da ich ihn nicht abschalten kann, die Welt nicht im Großen retten kann, kann ich nur meine Aufmerksamkeit auf die guten Seiten, Momente lenken- und versuche, sie selbst zu schenken. Das möchte ich. Und ihr?