Einatmen, ausatmen. Kuchengabel dazu?

2014, das sind 52 Wochen und eine paar murkelige Resttage. Was also fange ich damit an? Anfang 2014 war ich im Job frustriert und nicht besonders glücklich mit meiner Situation. Ich suchte nach einem Ausgleich, einem Projekt – nach irgendwas – just give me something! Und dann formte sich langsam die Idee, 2014 einen Kuchen pro Woche zu backen. Entstanden dadurch, dass ich in der ersten Januarwoche einen völlig verkorksten Mandelkuchen zustande brachte, den ich nicht einmal fotografieren wollte. (Dann im Nachhinein doch etwas schade, aber wer konnte das ahnen!)

Es war frustrierend, es sah hässlich aus und ungenießbar war es obendrein. Und so kam es, dass das Backen zu meinem Vorsatz für 2014 wurde. Das Projekt nannte sich folgerichtig #acakeaweek und irgendwie sind am Ende über 56 Back/Machwerke herausgekommen.

Regeln? OK: ich wollte jeden Kuchen nur 1 einziges Mal backen, Wiederholungen – nix da, verboten. Keins der Rezepte davon sollte ich vorher schonmal gebacken haben. Ein Versuch, mich dazu zu zwingen, jede Woche etwas wirklich Neues auszuprobieren, weil die Tendenz dann doch immer in die Richtung geht, etwas, das eins kennt und mag und von dem eins weiß, es gelingt, immer wieder zu variieren. (Womöglich liebe ich darum Muffins so sehr. So viele Varianten, ein netter Grundteig – toll.)

Die mehr oder weniger vorzeigbaren Ergebnisse auf Instagram sagen, es sind dann insgesamt 56 (57?) Kuchen geworden. Manche davon waren eine Offenbarung (der tollste Zitronenkuchen der Welt beispielsweise), andere eine optische als auch kulinarische Katastrophe (der Kuchen nach dem Urlaub, gemacht aus Resten, die die Küche eben so hergab – brrrr!) Ich habe in diesen 52einhalb Wochen des Backens unheimlich viel gelernt: dass Mandeltorte nicht mein Feind ist und ein Soufflé tatsächlich so süß und schaumig wie es auf einschlägigen Chefkochbildern daherkommt. Ich habe gelernt, dass so Hefeteig freundlich aufgeht, wenn die Temperatur nur stimmt und er genug Zeit kriegt und dass ich weder mir noch dem freundlichen Hefeteig hübsche Zöpfe flechten kann, dieser dann aber schmeckt. Und wie.

Je länger das Projekt andauerte, desto meditativer wurde das Backen an sich. Und der Mut, so verrücktes Zeug wie Torten -so richtige Torten, mit Mürbeteig und Boden in Schichten aufschneiden und Creme und Topping und allem- jedenfalls: der Mut, eine Torte zu backen, der war dann ganz überraschend auch da, saß mit mir in der Küche und sagte, Ach komm, Kaffee-Walnuss-Torte mit Karamell-Buttercreme oder doch lieber Muffins; was solls, her mit dem einschüchterndem Rezept!

2014 habe ich insgesamt 8 Backbücher gekauft (und 12 auf meinen Wunschzettel gepackt, um die später zu kaufen). Irgendwas hat das Backen mit mir gemacht und ich habe es gemocht. Das Lernen, das Backen, das Besserwerden und an manchen Tagen auch die zahlreichen Rückschläge. Das Allerbeste aber war, all die leckeren Machwerke, die neuen Kuchen, aber auch die Merkwürdigkeiten nach dem Backen sämtlich aufzuessen oder aufzunötigen anderen zum Aufessen hinzustellen. Dieser tolle Moment, das innere „So.“ Einatmen, ausatmen. Kuchengabel dazu?

Und so hat mein Backjahr ausgesehen:

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re:wind

Oktoberfest verpasst, Urlaub gehabt. Sonne gefunden, mit Anschluß ans Meer. Das Couchtier gestreichelt, den Mann geknutscht. Doof herumgestanden, an S-Bahnen gezweifelt. Der Chefin gesagt, was ich nicht mag. Im Kino gegruselt, Entfernungen verwünscht. Kuchen gebacken. Kuchen gegessen, Kuchen essen lassen, Frühling verpasst.

Den Sommer nicht geglaubt, Herbst vorgespult. Nun ist es der letzte Herbst mit einer ärgerlichen Tätigkeit und wenn es nun November wird, fängt was Neues an, gegen die Natur. Na hoffentlich guckt die nicht so genau hin.

Wie ich zu einem Dirndl kam

Zurückgelassen – ein Jahr, eine Stadt, einen Job, Menschen. Heimat. Die, die zurückbleiben, winken und machen weiter. Die, die gehen, winken und fangen woanders an.

Los gings in München als Fremdkörper: alles neu, alles fremd, alles seltsam (und das ist höflich formuliert). Und dann fing alles irgendwie an, noch viel seltsamer zu werden: die neue Umgebung absorbierte mich nach und nach. Ein Arm, ein Auge, ein Oktoberfest und 5 supertolle Menschen später bist Du angekommen in dieser Brezn-Bier-Tracht-was-kostest-die-Welt.

Vor über einem Jahr: Gott, die Leute reden bayrisch, ich versteh kein Wort. Der Bäcker beim REWE schaut schräg, weil ich von Brötchen spreche und außerdem kein R rollen kannst, zumindest bilde ich mir ein, dass er schrägt geschaut hat, denn ich weiß es ja nicht, weil er mich routiniert korrigiert und ich zu beschäftigt bin, erst rot anzulaufen und dann sehr präzize „Hm ja, genau“ zu murmeln, von mir aus, Semmeln, das nächste Mal dann, tschüss- hui, hupps!, ich meine: Servus! Natürlich.

Vor unter einer Woche: In einen Trachtenladen gehen und ein Dirndl kaufen, als wäre es das Normalste auf der Welt. Wirklich: aus der Kabine treten, drehen. Grüne Schürze auf rotem Kleid, nochmal drehen, lächeln, der Verkäuferin fachmännisch ein „Schee, gell?“ antworten, weil: Das finde ich tatsächlich. Eine Mecklenburgerin im Dirndl, mei, this escalated quickly.

Es ist wohl so eine Sache mit „Ok, wohn ich nun also in München“ und „Ah cool, ich bin in Bayern angekommen“, der Übergang muss irgendwie so nebenbei passiert sein. Es gab nichts entscheidendes – außer dem einen Moment, an dem ich statt „jetzt fahren wir zurück nach München“ eben „jetzt fahren wir heim“ gedacht habe.

UND AUCH NOCH SO GEMEINT!!!1!einself

Dirndl

Hui!

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Montagsaugenaufschlag

Von Kaffee zu Kaffee nippen, die müden Augen in den Monitor halten, sehen, dass da was steht und flimmert, aber nicht verstehen, was, es ist nichts da, nur müde, müde für 2, aber es ist ja Montag und was anders kann ein Montag machen als müde?

Der Sonntag hat’s verissen, der Sonntag und sein Himmel, grau bleib grau, egal wieviel Kaffee ich draufgoss, wieviele Lampen ich einschaltete, welche Musik ich aufs Ohr tat und ob ich Schokoladenkuchen einnahm, nein, es blieb grau. Grau der Himmel, grau die Stimmung und vielleicht war es nicht nur der Sonntag, sondern sein Pech, dass auf ihn der Montag folgt, fies schon von Weitem betrachtet, ein Widerwillen, der mit mir auf der Couch sitzt, schnauft und sagt: „Morgen ist wieder Montag. Morgen ist wieder alles früh und alles Muss.“

Montags fällt es am schwersten, mich dran zu erinnern, dass ich dankbar sein sollte, ins Büro gehen können zu müssen, jeden Montag wieder.

 

Zuppelstadt mit kalten Griffeln

Diese bissige zuppelige Stadt, die so gut versteckt, dass sie sich freut, dass ich in ihr umherlaufe, -fahre, -irre. Jede Strecke zweimal falsch fahren muss, um sie einmal richtig zu lernen, weil ich an Orten aussteige, die mindestens eine Station vor oder hinter der liegen, die richtig gewesen wäre, und wenn der Weg wirklich das Ziel wäre, wäre München der größte Zieleinlauf der Welt aber das sage ich der Stadt nicht, die weigert sich ja schließlich auch, zuzugeben, dass sie das mit dem Verlaufen extra macht, für alle Zugereisten und die, die es sich wieder anders überlegen, wenn sie in der S-Bahn stehen und sich fragen, wie das passieren konnte. München. Das macht doch niemand extra.

Es ist endlich kalt geworden, so kalt, dass ich das endlich gerne zurücknehmen würde, aber es steht schon da, also anders, es ist – Überraschung! – nun doch noch Winter geworden in diesem Januar, es war nicht abzusehen, es ist Januar, es ist Winter, es ist kalt und ich fahre die 2 Stationen bis zur S-Bahn plötzlich lieber mit dem Bus statt zu laufen, ja, es ist kalt und frostig ist es auch im Büro, nicht unter den TeamkollegINNen, nee, mehr so das allgemeine Klima in den Flur- und Meetinggesichtern, es läuft nicht schlecht, es läuft nicht gut, nein, es läuft gar nicht und was auch nicht läuft ist, bin ich, zu Fuß zum Bus zur S-Bahn ins Büro aber ja, da waren wir schon also halten wir fest, an Bushaltegriffen und Vordersitzen, es läuft nicht und es ist kalt dabei.

Kalt geworden ist es auch gestern, weil, huch, klingelte die Polizei, dingdong, guten Tag, bei ihren Nachbarn nebenan ist eingebrochen worden heute, haben sie etwas mitbekommen vielleicht?, nein haben wir nicht, haben nun aber Angst aber nein, wir waren nicht da, weil wir in Büros waren, während Einbrecher nebenan waren und nun fühlen wir uns zuhause nicht mehr sicher, aber danke, nein, wir haben nichts gemerkt.

Es ist kalt und es ist Januar und nun möchte ich bitte sehr gerne nach Hause.

Diktat des Erleben-müssens

Dieser großartige Auftritt, der sagt: Erlebt was. Erzählt davon.

*

Neulich in der Werbung. „Um etwas zu teilen, müssen wir erst etwas erleben.“

*

Etwas später, derselbe Werbeblock. „Reise dich interessant!“

*

Okay. Ich sortiere noch, aber –

Wann ist aus dem „Uii, da will ich hin, weil es da großartig ist.“ dieses „Ich will dahin, um allen zu zeigen, wie großartig ich bin, weil ich dahin fahre.“ geworden? Wann ist das Erleben zum Zweck geworden? Etwas erleben, um es anderen erzählen zu können. Irgendwohin reisen, um es fotografieren zu können und zu teilen. Und wenn alle reisen, alle Dinge tun, wer hört sich dann all die Geschichten an, die andere erzählen können, weil sie den Schweinehund in Pflege beim Nachbarn gegeben haben und reisen und erleben und fotografieren und meine Güte, wahnsinnig tolle Geschichten sind das, die möchten erzählt werden, aber wem denn, wenn alle Abenteurer und Momenteinfänger mit Netz sind?

Es ist so: Ich finde es großartig, wenn Menschen um die Welt reisen. Ich finde es großartig, anderen nach dem Abenteuerlustig-gewesen-Sein zuzuhören. Ich like Bilder vom Abenteuerlustigsein. Ich finde es großartig, auf der Couch zu liegen, während ich davon lesen kann, was es alles außerhalb meiner Couch gibt und wie wunderbar andere es einfangen. In Bildern, in Texten, in Songs.

Es ist auch so: Meine Abenteuerlust ist sehr begrenzt. Meine Abenteuerlust wird vollkommen bei Vorstellungsgesprächen, in Menschenmassen oder bei Gesprächen mit Kollegen in der Kaffeeküche aufgebraucht. All die Geschichten, die andere erleben – ob sie es in Serien im Fernsehen tun oder als Protagonisten in Büchern oder als Menschen in meinem digitalen oder unmittelbarem Umfeld tun – lese, höre, schaue ich mir an.

Und ganz, ganz selten habe ich dabei das Gefühl: Wow, das muss ich jetzt unbedingt auch probieren. (Einen Dreierpack Drachen aufziehen. Zu Fuß durch Südafrika ziehen. Aus einem Flugzeug springen. Unter einer Kuppel aufwachen. Oder oder.)