Angstfilterblase

Guten Tag, meine Name ist @kullerfieps und ich habe Angst.

Was mir Angst macht, sind die Ängste meiner Familie. Meiner Verwandten. Meiner – ich sage es jetzt – Freunde. Was mir Angst macht, ist, dass meine Verwandten, meine Familie, meine Freunde sagen könnten, sie haben Angst vor den Fremden. Den Unbekannten. Den Geflüchteten.

Weil ich mich dann der Situation stellen muss, die ich sonst durch Entfolgen/Blocken (auf Twitter), Ausblenden/Entfreunden (auf Facebook), wegschalten (Fernsehen) oder Raum verlassen (Büro)ausweichen kann.

Weil ich mir bis dahin vormachen kann, meine Eltern, meine Geschwister, meine Cousins, meine Cousinen, meine Schulfreundinnen wären wie ich immun gegen die Hetze. Weil ich mir bis dahin einreden kann, sie könnten Nachrichten von Aufhetzartikeln unterscheiden, Politik von rechter Propaganda und  wären sich dem Unterschied zwischen Fakt und passend gemacht bewusst.

Weil ich mir bis dahin einreden kann, sie würden Nachrichten außerhalb ihrer Filterbubble wahrnehmen, während ich es mir in meiner schön und bequem gemacht habe und kein Stück besser dadurch bin, weil ich mich auf der richtigen Seite wähne. Unsere modernen Scheuklappen lassen keine Zweitmeinung durch; sie bestätigen, was wir zu wissen meinen. Wir, genauso, wie die „Gegenseite“.

So entfernen wir uns immer weiter voneinander, die Fronten härten aus – bis man dann zu Weihnachten oder zum Geburtstag daheim anruft und wie vor den Kopf gestoßen ist, wenn eine Meinung durchscheint, die bisher schön ausgefiltert war. Das ist ein Problem: in der Familie sind unsere Filter unbrauchbar.

Wir kommen erst zusammen, wenn die jeweilige Meinungsfindung abgeschlossen ist. Wir sind erschrocken, wir stehen davor und verstehen nicht, wie wir uns soweit voneinander entfernen konnten. Wir reden vorsichtig mit zerspringendem Herzen aufeinander ein, ich appelliere an Vernunft und Humanität, ich finde Angst, Verunsicherung und die Hoffnung auf eine einfache Lösung. Eine einfache, menschenverachtende Lösung, denke ich: eine aufgegangene Saat, weil ich, weil wir zulange die Filterscheuklappe getragen haben und ihr Sprießen nicht bemerkt haben wollten.

Ich muss mich plötzlich positionieren und ich kann es kaum sachlich tun, weil es mich so schmerzt. Wie können Menschen, die ich mag, liebe, und/ oder zu meinen Verwandten zähle, tatsächlich glauben, das Problem seien „die Anderen“,“ die Fremden“? Wie kann das sein?

Ich möchte sie schütteln. Ich wünsche mir kurz, ich würde sie nicht kennen. Schließlich hoffe ich, sie zu überzeugen,doch höre ich aus jedem Satz, den ich ins Telefon spreche, mein Zittern, meine Angst selbst heraus. Ich überzeuge nicht, denn ich habe selber Angst. Angst vor den Ängsten meiner Familie.

Während ich still bin, haben Andere Ansätze für mögliche Antworten gefunden:

http://bildkorrektur.tumblr.com/

http://www.mohrenpost.de/2015/07/24/meine-antwort-an-eine-besorgte-buergerin/

http://www.mohrenpost.de/2015/12/25/grenzen-dicht-fluechtlinge-raus-mit-einem-besorgten-buerger-unterm-weihnachtsbaum/

Danke dafür.

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