Hallo, München. Ein Ankommen.

Das Merkwürdige an Veränderung ist, dass sie erst überaupt nicht merkbar ist, sie lässt einen (mich) zappeln, es tut sich nichts, sie tut nichts, wir tun nichts, wir sitzen und sehen die Zeit runterticken und denken, Mensch, du liebe Zeit, das ging auch schonmal schneller, wieso passiert denn nichts, wo doch bald soviel passiert, wie kann das sein, sag doch mal, he? Mensch. So sitzen wir (ich) da und warten und das war im Mai und Zack, auf einmal ist’s September, alles an Veränderung ist kübelweise aus- und verschüttet worden über mir (uns) und ich gucke auf den Kalender und denke mir, meine Güte, du liebe Zeit, das ging jetzt aber viel zu schnell, ich hab ja gar nichts mitbekommen von der Fahrt, weil das so fix ging. Mensch.

Ich wohne nun also in München. München ist in erster Linie laut und voller Menschen, die wissen, wo sie hinwollen und in welche S-Bahn sie dafür müssen. Die Münchner sind furchteinflößend schick und sie sind vorbereitet, sie tragen E-book-Reader zum lachsfarbenen Kostüm, die Ohren gut verstöpselt, und dabei höflich kommunikativ. Kurz: es ist alles ganz schlimm.

Die neuen Kollegen sind großartig, allerdings habe ich den Verdacht, sie mögen, was sie tun und am liebsten kommunizieren sie – und dann können sie das auch noch richtig gut. Ich stehe mit offenem Mund dabei und denke mir, meine Güte, sie wissen, wie das geht, Fragen stellen und Smalltalk und nett sein und das ganze Zeug und wie konnte das passieren, dass ich daneben stehe und es einmal hassen würde, das nicht zu können, dabei aber auszusehen, als wäre ich ein Alien in Bayern.

Die neue Wohnung ist neu. Richtig neu, saniert, nett, groß, für Münchner Verhältnisse bezahlbar (haha), habe ich gehört, Wenn ich Mecklenburger Maßstäbe dranlege, bekomm ich allerdings das Zittern. Die neue Wohnung ist genauso groß wie die alte Wohnung, nur das sie in München steht und doppelt soviel kostet und an einer Straße liegt, die Lärm macht. Also, die Straße nicht, die Autos, die Tag und Nacht über die Straße röhren und rumpeln und dröhnen und meine Nerven frühstücken würden, hätten die Fenster keine Doppelverglasung, die sie aber haben, zum Glück. Leider ist nur so ein geöffneter Balkon nicht schallisoliert und was ich am meisten gemocht habe in meiner Wohnung in Mecklenburg, das entspannt in der Sonne auf dem Balkon rumsitzen können und ein Buch lesen und Gesellschaft vom Couchtier und einer Kaffeetasse zu haben, das alles geht hier nicht und es hat 6 Wochen gedauert, bis ich das eingesehen habe und die Versuche, auf dem Balkon zu sitzen, aufgab.

Das, worüber ich mich bisher „definiert“ hab, hab ich in Mecklenburg zurückgelassen. Die Wohnung, die Menschen, der Job, – oh, guck an, die Melodramatik nicht, die macht sich auch in München ganz gut, sieh an, soso, ja gut.

Die Fixpunkte sind also futsch und nu müssen neue her und so wohn ich also in München und hab keine Ahnung mehr, wer genau ich bin und ich glaub, das macht München gar nichts aus, weil hier macht nicht der Mai alles neu sondern München selbst und, ach, weißt Du was München? Überrasch mich einfach.

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