Den November durchwinken

Wir haben November. Naja, gerade-noch-so November. Dieser Trennblattmonat für die Zeit zwischen Oktober und Dezember. Also haben wir kurz vor Dezember, kurz vor Advent, kurz vor Nu-aber-schnell-schnell-schnell.

Vorgänger Oktober, der protzige unter finalen Monaten; November, der motzig-einsilbige und fast-Dezember, der, in dem ich mich dann guten Gewissens in Licht und Farben und heißen Kakao wickeln kann, endlich, bald, wird schon. Wir haben noch November. Es gibt kein Licht im November, nur so diffuses Geleuchte und keine echte Farbe, nur so grau mit vergessenen Laubleuchtepunkten.

Am liebsten würd ich den November durchwinken und vom Oktober direkt zum Dezember springen und da Gewürze und Geleuchte und wunderschlimme Dekoelemente in meine Wohnung lassen – aber nein, der November besteht ja drauf, ohne November bliebe keine Zeit, um vom Herbstblatt- in den Lebkuchenmodus zu switchen, keine Zeit, Päckchenideen zu Päckchen zu packen und keine Zeit, in der ich noch viel Zeit habe, Panik zu schieben, wenn ich mit den Ideen nich hinterherkomme und mir immer noch sagen kann, „Hey, ach was, ich hab ja noch Zeit, viel Zeit für Panik.“

Dafür is schließlich der Dezember da.

Mixbook, Kapitel Eins: Das Krätzchen und Jampoll

Juhuu, es is da – das erste Mixbook-Kapitel! (Hier steht, was das soll.)

31 Bücher, 31 Sätze, 1 Geschichte. Mit gutem Willen jedenfalls und gratis Koppsalat. (Vielleicht nur Kaffee dazu. Oder 2.) Welche Bücher sich hier um den Verstand mixen, löse ich später auf. Bis dahin kann umhergeraten,  danebengeflucht und schief geguckt werden.

~

In den Parkanlagen des Krankenhauses liegt Herbstlaub. Nicht, dass ich es an sich komisch finde, wenn man der Frucht seiner Lenden eine musikalische Ausbildung zukommen lassen möchte – aber Paul ist gerade mal zweieinhalb Jahre alt, und die größte Herausforderung, die mein Kind in einem Klavier entdecken könnte, bestünde zweifelsohne darin, mit seinem Spielzeugschraubenzieher eine Taste nach der anderen aus der Verankerung zu hebeln.

Weiße Babys zu versorgen ist meine Arbeit, mitsamt dem ganzen Kochen und Putzen. Dafür sangen die anderen Hoheiten um so lauter, da glich sich das wieder aus. Achso, Paul fehlt ein Auge.

Mit der Ernährung wollten sie eigentlich vorbeugen. Wobei ich ganz genau weiß, dass dieses „einfach essen“ unglaublich schwierig ist. Übrigens, Willi Neuenhagen fliegt mit.

Während des Aussteigens hatte Jampoll noch gehofft, dass der Regen nachlassen würde. Vielleicht waren sie noch ein bißchen verschlafen. Ich beginne die Geschichte über Rike, indem ich von einem Wettlauf erzähle. Die Opfer des nächsten Krieges blieben ungezählt und unbenannt. „Zigeuner!“

An jenem Abend kehrten alle 3 Männer zu ihren Familien zurück, um Abschied zu nehmen. Ich schleppte mich durch die menschenleere Torstraße und hörte auf einmal ein Rumpeln in meinem Rücken. Die „Gala“ zählte mich dementsprechend zu den „bestangezogen Frauen um die dreißig“, während eine andere große Boulevardzeitung mich weniger schmeichelhaft als „leicht stämmige Brünette mit deutlich zu dicken Schenkeln“ bezeichnete.

Die Freundschaft hat sich vielleicht auch gar nicht geändert. Mitten in der Nacht verließ sie am Steuer ihres Triumph den Parkplatz des Krankenhauses und fuhr schnell durch die menschenleeren Straßen nach Hause. Wenn ich mich nur richtig konzentriere, dann werde ich ihn auch spüren. „Sie lügen!“

Den Ärmelkanal im Tunnel zu durchqueren schreckte ihn ebenso wie ihn zu überfliegen. Maria steckte ihrem Vater die Zigarette direkt zwischen die Lippen und zündete sie an. Und die meisten tun es mit einem Stapel Bücher unter dem Arm, manche ziehen ganze Karren davon hinter sich her. Er musste schon bis zur Scheune bemühen, wo die Fhernhachen zu dieser Zeit meist damit beschäftigt waren, aus für Rumo unerfindlichen Gründen, mit Stroh um sich zu werfen.

Und es dauerte nicht lange, da war das Krätzchen, dem jegliche kriminelle Energie fehlte, um sich im gnadenlosen Milieu der Straße durchzuschlagen, furchtbar heruntergekommen und abgemagert. Nur sie waren aufgrund ihrer außergewöhnlichen seemännischen Fähigkeiten in der Lage, es mit dem Malmstrom aufzunehmen.

Was er dort sah, war in der Tat furchteinflößend: Zwei mächtige Wasserhosen hatten sich aus dem Meer erhoben, ihre wirbelnden Stämme ragten hinauf bis in die dunklen Wolken, saugten den Ozean und alles, was sich darin befand, in den Himmel.

„Natürlich weiß ich, dass ich durch meinen Lebenstil leicht einen falschen Eindruck vermittle.“ Geld wächst nicht von alleine im Portemonnaie nach wie Pilze im Wald. Im Ort in den Bergen von Fukushima, aus dem der Großvater ihres Vater stammte, gab es angeblich viele, die diesen Nachnamen trugen. Was ihm allerdings kaum etwas ausmachte.

Die Idee: ein Mixbook

Musik. Mixtapes. Remixe.

Daran dachte ich, als ich mein Bücherregal beguckte und immer noch etwas sauer auf Herrn Martin war. Und dann ploppte ne Idee hoch: Warum nich ein Mixbook? Eine Geschichte, erzählt von allen, allen Büchern, die in meiner Regalwand sitzen. Die alten, die neuen, die Sachbücher, die King-Romane, die Moers-Welten, Tragödien, Grusel, Fantasy, jeder bitte nur einen Satz, whohooo! (Und so lernen die Helden meiner Kinderheit vielleicht endlich mal Daenerys kennen, nicht wahr, Herr Martin. Und ein paar Drachen.)

Ich werde also die Zeit, die ich habe, um auf Herrn Martin sauer zu sein, stattdessen nutzen, um jedes Buch einmal aus dem Regal zu nehmen, angefangen beim ersten, obere Reihe, von links nach rechts, es aufzublättern, einen Satz zu lesen, ihn abzutippen und es wieder weglegen.

Die Mixbook-Regeln (selbstgemacht und doppelt streng, nänänänä!), an die ich mich halten will:

Also, nee: das Vorwort gilt nich, sonst wird das nix mit einer Geschichte. Ein Satz pro Buch, fortlaufend. Das erste Buch macht den Opener mit dem ersten Satz, dann geht es mit jedem Buch um einen Satz weiter. (Ich hab schonmal mit einem Testlauf angefangen und gemerkt, wie toll es ist, dass manche Autoren Ein-Wort-Satz-Profis sind und andere keinen Satz unter ner halben Seite zuende fabuliert haben. Da werden sich Geschichten treffen, die sich sonst mit Achselzucken und Nase rümpfen abgetan und in ihren Einband geknautscht hätten.)

Veröffentlichen möchte ich in Kapiteln, wobei ein Kapitel einer Regalreihe entspricht. Der Anhang mit der Auflösung (Der wird den Anteil von 30 % sprengen, Herr Martin!), welche Bücher in das Mixbook eingeflossen sind, weil ich’s spannend find, ob sich manche Bücher durch nur einen Satz schon offenbaren oder ob es doch unmöglich ist, herauszulesen, wer da welchen Anteil beigetragen hat. Riesenraterei! Oder ob sie tatsächlich am Ende eine Einheit bilden, die Schnipsel. Eine dadaistische Geschichte vielleicht oder ein schräger Remix, in dem man nach Erinnerungen und Helden taucht oder gar nich erst reinfindet.

Also, Herr Martin, an dieser Art Quatsch sind Sie schuld. Und ich hab jetz keine Zeit, ich muss nämlich Bücher verbinden.

Ein Buchremix für Herrn Martin

Es is so:

Ich habe gerade ein Buch ausgelesen und ich bin sauer auf Herrn Martin. Halt, nee. Anders.

Ich habe gerade nen 12ten Band ausgelesen, ohne auch nur eine Ahnung zu haben, wann der nächste Teil erscheint und ob vielleicht in diesem ein paar lose Enden verknüpft werden. Genug davon gibt es, ungefähr halb so viele, wie es Protagonisten gibt. Der Anhang, in dem jede Person, jedes Haus, jeder Strauch -sofern er einen Namen hat- auftaucht, dieses Bandes machen nämlich fast 30 Prozent des Gesamtsbuchs aus. Dreißig. Prozent. Anhang.

Also: Ich habe ein Buch ausgelesen und bin in ein Loch gefallen und davon sind noch nichmal im Ansatz 30 Prozent aufgefüllt. Und nun mach ich etwas Beklopptes. Etwas Schönes, hm, unter günstigen Umständen. Etwas, wobei ich keine Ahnung haben werde, was dabei rauskommt. Nur eins weiß ich: Ich werde mehr Anhang brauchen als Herr Martin. Nämlich.

Gerafft

So ein Gezuppel. Von schräg nach schief nach links nach vorn. Ich tät ja loslegen, aber das mit dem Liegen geht vor. Das geht mir ja oft so. Den Kopp voller Pläne und Ideen und irgendwer müsste auch mal wieder an die Fenster ran, putzen, die Scheiben, waschen, die Gardinen davor aber dazu hoch von da, wo ich gerade liege, also nee, das geht ja meistens nich, es liegt sich gut, es liegt sich lang, es liegt sich so dahin, während der Kalender ablegt und dann kommt bald die nackte Pappe nach dem Dezember, das nackte Packpapierbraun von 2012.